EUPHRAT EXPEDITION

        4. Rundmail



        Because of the terrorists - PKK ...

        ... antwortete ein junger Soldat mit leichten Englischkenntnissen auf unsere draengende Frage, wieso wir an dem ruhigem Ort in der Naehe eines Dorfes nicht uebernachten durften. Eigentlich haette dieser Satz und vor allem die letzten 3 Buchstaben nicht fallen dürfen. Sein Offizier strafte ihn dafuer mit strengem Blick und ernsten Worten, die wir aber nicht verstanden.

        Erneuter naechtlicher Besuch am Zelt, diesmal von 5 Maennern, davon 2 mit Kalaschnikows

        Die Geschichte mit den 5 Maennern in Pluderhosen, Arafattuecher um den Kopf geschlungen, 2 einsatzbereite Kalaschnikows in der Hand und der PKK begann 22 Uhr auf einem abgeernteten Getreideacker in der Naehe eines Dorfes. Zuvor hatte uns ein Schaefer entdeckt, wie wir im Dunkel der Nacht das Zelt aufbauten. Zur genannten Stunde tuckelte dann ein Kleinbus ueber das Feld und 5 traditionell gekleidete Herren sprangen heraus. POLICE - hiess es und einer verlangte die Paesse, wahrend sich die anderen ums Zelt postierten. Im Gegenlicht der Autoscheinwerfer betrachtete Vince die Polizeikarte, die wie beim letzten Mal auch, keine war. Als Vince dies bemaengelte, wurden die Maenner unruhig und erklaerten 'Muhtar, Muhtar' (=Buergermeister). So, so - der Muhtar also. Dieser sagte dann, dass er die Paesse in einer Stunde wiederbringen wuerde. Dass wir mit diesem Plan nicht sonderlich einverstanden waren, interessierte ihn und seine Leute wenig und sie zogen samt den Ausweisen vom Acker. Nun ging fuer uns das grosse Raten los. Wer waren diese Leute wirklich? Von der PKK? Brauchen sie die Paesse, um ihre Leute nach Dt. zu bringen? Kommen sie wieder, um noch mehr zu holen oder war es wirklich nur der beunruhigte Muhtar? Nach einer Stunde kamen sie tatsaechlich wieder, mit 2 Mannschaftsbussen der Armee und Blaulicht als Verstaerkung. Mindestens 20 Soldaten umstanden nun unser Zelt. Der Muhtar uebergab uns amtlich dem Militaer und wir bekamen die Paesse zurueck. Es hatte also so gesehen alles seine Ordnung! Unter den vielen Soldaten fand sich dann einer mit Englischkenntnissen und er durfte uns uebermitteln, dass es hier sehr gefaehrlich sei und wir mit in die Kaserne kommen muessen. Da gab es keinen Ausweg, auch nicht das Argument, welches haeufig zieht, dass so viele Maenner fuer eine 'Ehefrau' wenig komfortabel sind. Also packten wir zusammen und wurden im Militaerbus 15km zurueckgefahren, wo wir unser Zelt direkt auf dem Englischen Rasen vor der Kommandantur aufstellen durften. Waehrend der Fahrt und beim naechtlichen Tee mit den Offizieren fragten wir natuerlich immer, warum sie dieses ganze Theater veranstalten. Sie lenkten ab, erzaehlten was von wilden Tieren etc., bis dann dem jungen Soldaten der anfangs zitierte Satz ueber die Lippen rutschte. Hoffentlich hatte dies keine weiteren Konsequenzen fuer ihn, denn aus tuerkischer Sicht ist das Kurdenproblem nicht existent.


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        © November 2000 by V. Heiland / B. Vetter
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