EUPHRAT EXPEDITION

        3. Rundmail



        An der iranischen Grenze einer naechtlichen Geldnachfrage glimpflich entkommen

        Auf dem Weg zur iranischen Grenze uebernachteten wir in einer Obstplantage am Fusse des hoechsten Berges der Tuerkei, dem 5165m hohen und z.Z. ruhenden Vulkan ARARAT. Zu seinen Fuessen liegt eine fruchtbare Ebene, die intensiv landwirtschaftlich genutzt wird. Bei Daemmerung schauten wir uns, wie jeden Abend, nach einem moeglichst ruehigen und menschenleeren Schlafplatz um, was in dieser Gegend ein schwieriges Unterfangen war. Schliesslich schlugen wir unser Zelt in einer Apfelplantage auf. Um 2 Uhr nachts, wir befanden uns gerade in der Tiefschlafphase, kam ein Traktor direkt auf unser Zelt zugefahren. 2 Maenner stiegen ab und liefen auf uns zu. Vince schaute heraus und sie redeten wie wild und mit ernsten Gesichtern auf ihn ein. Babsi hielt sich, wie es in diesem islamischen Kulturkreis ueblich ist, im Hintergrund. Wir konnten zwar nicht verstehen was sie sagten, aber erkannten, dass es ihnen sehr ernst war. Der juengere von beiden gab sich mit einer 'Identity Card' als Polizist aus. Daraufhin wollte er die Paesse sehen, suchte und suchte bis er glaubte eine Ungereimtheit gefunden zu haben. Als er endlich etwas an den Haaren herbeigezogen hatte, versuchten dann die beiden Herren uns Aerger zu bereiten. Zunaechst sollten wir auf die Polizeistation mitkommen. Das kam uns zu dieser fortgeschrittenen Stunde merkwuerdig vor und wir bekamen das Gefuehl, da sie miteinander kurdisch redeten, dass sie moeglicherweise einen Faustpfand brauchen, um ihren Forderungen bei der tuerkischen Regierung Nachdruck zu verleihen. Als wir den Besuch bei der Polizeistation auf morgen verschieben wollten, kamen sie auf die Idee 1000 DM Bussgeld einzufordern. Zu diesem Zweck demonstrierte der angebliche Polizist kurz seine Pistole. Unsere Bereitschaft, diese Summe zu zahlen war natuerlich sehr gering und so begann der aeltere von beiden Vince aus dem Zelt zu ziehen. Nun schritt Babsi ein, kam aus dem Zelt gestochen, bruellte auf die Maenner ein und stiess sie zurueck. Sie waren reichlich geschockt ueber das hierzulande unuebliche Verhalten einer Frau. Nach einer kurzen Denkpause beschlossen die beiden sich mit ihrem Traktor vom Acker zu machen und wuenschten uns zum Abschied noch einen schoenen Abend. Naja, der Schrecken sass tief und die Angst, dass sie es sich nochmal anders ueberlegen, war gross. Somit war die Nachtruhe fuer uns gelaufen...

        Einer andere Geschichte sind die Hirtenhunde in Ostanatolien. Hatte es in so beruechtigten Laendern wie Rumaenien noch gereicht, den heraneilenden und klaeffenden Hunden mit einer Trillerpfeife Paroli zu bieten, waere hier schon Pfefferspray angebracht, um sie abzuschuetteln. Sowas haben wir aber leider nicht mit und so zogen sie Babsi schon 2 mal waehrend der Fahrt vom Rad. Zum Glueck haben sie sich nicht am Bein, sondern an den Packtaschen festgebissen. Einmal konnte eine Dorfbewohnerin die Toelen zurueckrufen, das andere Mal las Vince 2 grosse Feldsteine am Strassenrand auf und in wurfbereiter Haltung konnten wir die eingebildeten Hunde dann auf Distanz halten.



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        © November 2000 by V. Heiland / B. Vetter
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