EUPHRAT EXPEDITION

        3. Rundmail



        Das Schöne am Radfahren ist, abgesehen von einem wunden Hintern auf diesen knueppelharten Ledersaetteln, dass man Kontakt zu vielen Leuten hat, welche einen ansprechen koennen, sobald sich die Fahrgeschwindigkeit auf sagen wir mal unter 30 km/h reduziert hat. Dieses ist in der hochgebirgigen Region hier (hoechster Pass bisher 2800m) besonders haeufig der Fall. Natuerlich liegt es nicht am Profil der Landschaft, sondern massgeblich an der Mentalitaet der Leute im islamisch-arabischen Kulturkreis, welche Auslaendern besonders offen und interessiert gegenuebertreten. Ein Lehrer, Arzt, Student oder LKW-Fahrer wuerde bei uns sicher nicht seine rudimentaeren Fremdsprachenkenntnisse hervorkramen, um einen Auslaender zu begruessen oder in ein Gespraech zu verwickeln. In der Tuerkei springt dabei in der Regel noch eine Einladung zum Tee heraus, meistens mehrmels am Tag, was die Tageskilometerzahl betraechtlich herabsetzen kann. Bei diesen Gespraechen mit hochkonzentriertem Tee, serviert in schnapsglasgrossen Glaesern, mit 2 bis 3 Stueckchen Zucker erfahren wir, was die Leute hierzulande beschaeftigt.

        Die Geschichte von dem Staudammprojekt, welches die Kreisstadt Yusufeli und zahlreiche Doerfer entlang des Flusstals fluten wird, ist nur eine von vielen, welche uns ein Polizist des Ortes erzaehlte, dabei existieren noch keinerlei Plaene ueber eine Umsiedlung, Entschaedigung, noch ein grober Zeitpunkt des kuenstlich eingeleiteten Wasseranstiegs. Weiterhin erfuhren wir viel ueber die Kurdenproblematik, welche Tuerken offiziell nicht wahrhaben wollen. Sie nennen deswegen Kurden nicht Kurden, sondern schlicht Bergtuerken. Sicher, sie sind aermer, haben haeufig weniger Schulbildung, aber die Ursache liegt unserer Meinung nach woanders. Wuerde der tuerkische Staat ihren 'Bergtuerken' gleiche Rechte und Entfaltungsmoeglichkeiten einraeumen, statt Siedlungen mit (dt.) Panzern einzuebnen -wie in den letzten Jahren geschehen- waerde die Situation in Ostanatolien sicher entspannter oder die Tuerkei um den Suedosten des Landes kleiner. Aber immerhin, so fragwuerdig die Methoden einer terroristisch orientierten Organisation wie der PKK sein moegen, haben sier die nicht gespraechsbereite tuerkische Regierung dahingehend bewegt, die kurdische Sprache und Musik in ihrem Land zu tolerieren. Vor wenigen Jahren noch wurden die Kurden deswegen gefoltert und eingesperrt! Soviel zur Politik, nun zum trivialen Reisealltag per Rad...



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        © November 2000 by V. Heiland / B. Vetter
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