EUPHRAT EXPEDITION

        2. Rundmail



        Ankunft in Trabzon, aber die Räder sind nicht da

        Nun aber zur Ankunft in Trabzon an der Schwarzmeerküste. Um nicht 12 von 42 Tagen mit der An- und Abreise per Bahn zu verlieren und um endlich mal wieder was für unseren statistischen Kohlendioxidausstoß und für die Klimaerwärmung zu tun, haben wir uns für das Flugzeug entschieden. Und so tat Turkish Airlines alles, um die unbestrittene Zeitersparnis gegenüber dem Zug nochmals zu überdenken, als wir den Zustand unserer Räder nach der Ankunft in Trabzon sahen. Nicht nur, daß sie stark ramponiert wurden, die Vorderlichter fehlten und erst 8 Stunden später mit dem nächsten Flugzeug aus Istanbul ankamen, sondern der Transport zusätzlich 320,- kostete. Mit dem Geld hätten wir auch alle Schaffner von Ungarn bis in die Türkei schmieren können, weil wir die Fahrräder in Ermangelung eines Fahrradabteils bzw. -wagens auf der Liege im Schlafwagenabteil deponieren hätten müssen. Als wir dann 2 Uhr nachts den Flughafen endlich verließen und auf der Schnellstraße aus der Stadt wollten, stellten wir bald fest, daß es ohne Licht am Rad mit der Nachtfahrt nichts wird und schlugen in einer kleinen Plantage umrundet von Wohnhäusern unser Zelt auf. Die Anwohner waren am nächsten morgen genauso überrascht wie wir, als sie realisierten, was sie auf ihrer Haselnussplantage vorfanden.

        Der erste Tag führte uns von der Schwarzmeerküste in die Berge des Pontischen Gebirges und nach 60km der erste Paß von 2280m.

        Das Thermometer zeigte 31 Grad und wir spürten die gesamte Feuchtigkeit des Schwarzen Meeres auf der Haut. Die nächsten 60km brachten uns jedoch in kühlere Gefilde auf dem Pontischen Gebirgsrücken, dort wo die Luftfeuchte kondensiert, abregnet und die Flüsse speist. Man bezeichnet diese Gegend auch als "Grüne Hölle" der Türkei, weil es hier an allen Ecken grünt und sprießt.

        Der Weg bis zu dem 2280m hohen Paß war für unsere untrainierten Beine mit dem üppigen Gepäck schon eine harte Nuß, sind doch die Auffahrten in Jena von der Saale bis zum Muschelkalkplateau auf 150 Höhenmeter beschränkt. Entgegen unserer Erwartung ist das Klima hier in den Bergen zu Rußland und Armenien hin kühler und regenreicher als erwartet. Dass dieses Wetter nicht normal ist, bestätigte uns ein Liegeradfahrer aus den Niederlanden, welcher wie wir damals, vor seiner Haustür startete und nun schon ein paar Monate unterwegs ist. Natürlich fährt er, wie nahezu alle Langzeitradler, nach Indien. Warum dieses Land so ein begehrtes Ziel für Radler ist, können wir nach allen Gesprächen mit diesen netten jungen und meistens männl. Leuten nicht sagen. Iran und Pakistan sind die Länder bis zu seinem Ziel - wie gerne würden wir uns anschließen!



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        © November 2000 by V. Heiland / B. Vetter
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