EUPHRAT EXPEDITION

        1. Rundmail



        Hintergrund der Reise

        JENA, 20.8.2000. Es ist mal wieder soweit, morgen satteln wir die Räder und brechen nach Kurdistan (Osttürkei) auf. Diesmal nur 7 Wochen und auch nicht von Jena aus. Wir werden von Trabzon nach Adana den Osten der Türkei von Nord nach Süd durchqueren und dabei weitestgehend dem legendären Euphrat von seinem Quellgebiet bis zur Mündung im Irak folgen. Doch dieses Jahr fahren wir erst mal nur durch Kurdistan in der Türkei, jener Region wo das Wasser des Flusses in gigantischen Stauseen (der größte ist 3x so groß wie der Bodensee) von der türkischen Regierung zur Stromgewinnung und Felderbewässerung im großen Stil genutzt wird. In den Fluten versinken dutzende kurdische Dörfer und unentdeckte historische Kulturgüter, die wir noch gesehen haben wollen. Außerdem entscheidet die Türkei somit auch darüber, wieviel Wasser Syrien noch erreicht. Als sie vor einigen Jahren den gewaltigen Atatürk-Stausee füllten, wandelte sich der etwa elbgroße Fluß in einen kleinen Bach. Neben einem massenhaften Fischsterben in der verbleibende Kloake ging den Syrern und Irakis für 30 Tage das Wasser aus. Gerade Syrien besitzt kaum eigene Quellgebiete und ist sehr stark von den regenfangenden Gebirgen der Türkei abhängig. Dramatische Ernteverluste waren die Folge.

        Die Lebensader "Euphrat" ist seit menschengedenken in dem Wüstenklima Syriens und Iraks von größter Bedeutung und wird auch im kommenden Jahrtausend nichts davon einbüßen. Wir möchten mehr über das Leben der verschiedenen Völker am Fluß erfahren und unternehmen deswegen eine zweiteilige Expedition mit Fahrrad und Zelt dorthin. Nächstes oder übernächstes Jahr werden wir diese an der türkisch-syrischen Grenze fortsetzen und bis zur Mündung in den Persischen Golf im Irak fahren, sofern Bagdad noch zu dieser Ausnahmeregelung bereit ist, denn normaler Weise werden seit 10 Jahren (Golfkrieg) keine Touristenvisa mehr ausgestellt. Wir versuchten es trotzdem und schickten vor mehreren Monaten einen dicken Brief mit verschiedenen Zeitungsartikeln und einem Plan von unserem neuen Projekt an die irakische Botschaft in Bonn. Völlig überraschend kam dann vor 3 Wochen ein Anruf von dem Konsul und er gab mit den Worten "Warum nicht!" grünes Licht für den Grenzübertritt. Zu diesem Zeitpunkt rechneten wir aber wirklich nicht mehr mit einer Reaktion und schon gar nicht mit einer Positiven. Außerdem hatten wir die Türkei-Tour schon geplant. Somit entstand der Plan vom 1. und 2. Teil einer Euphrat-Expedition...



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        © November 2000 by V. Heiland / B. Vetter
        All rights reserved! Last update: 23.11.2000

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