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RADREISE JENA - JEMEN |
Im Jemen: 4 |
Fortsetzung
Zu dem ersten Vorfall kam es 1992 in der östlich von Sanaa gelegenen Provinz Marib. Im Laufe der Jahre erweiterte sich das Motivspektrum auf Freilassung von Angehörigen aus dem Gefängnis und zuletzt auf religiöse Gründe von islamischen Fundamentalisten, wie bei dem Vorfall im Dezember 1998, wobei 4 von 16 Geiseln getötet wurden. Dieses Ereignis hat den so gastfreundlichen Jemeniten einen schweren Schlag versetzt, denn irgendwie waren sie auch ein bißchen stolz
auf ihre friedliche Entführungstradition.
"Abends durften wir nicht mehr das Zelt aufbauen"
Am Anfang hatten wir noch viel Verständnis, als uns permanent ein Polizeiwagen mit 4 bis 8 schwerbewaffneten Soldaten eskortierte, doch als wir abends nicht mehr das Zelt aufbauen durften, weil es viel zu gefährlich sei, wurde es langsam nervig. Es vergingen meist mehrere Stunden bis sie einen sicheren Platz für uns gefunden hatten. Nein, nicht daß sie unfreundlich gewesen wären - wir bekamen oft Tee und Essen, wurden beim Polizeichef persönlich einquartiert oder die Staatsgewalt zahlte sogar einmal die Nacht im Hotel - aber es strengte einfach an nicht mehr das tun zu können, was wir gerne wollten. Auf diese Weise lernten wir alle Polizeistationen auf dem Weg ins Hadramout und eine unüberschaubare Zahl an Polizisten kennen. Konnten wir bis Aden noch selber fahren, reichte die Eskortierung auf den folgenden 800 km in den Südostjemen nicht mehr aus und wir verbrachten die meiste Zeit auf der Ladefläche der polizeieigenen Toyota-Pickups.
Trotz Spitzengeschwindigkeiten von 140 km/h und z. T. abenteuerlicher Fahrweise benötigten wir wegen der vielen Wartepausen an den Polizeistationen, wo die Fahrzeuge und das Personal sich ablösten, die Räder umgeladen werden mußten und jedes Mal wieder unsere Namen, Paßnummern, Reiseziel und -motivation notiert wurde, stolze 6 Tage. Glücklicherweise gilt das Wadi Hadramout auch für die skeptischsten Polizisten als so sicher, daß sie auf den letzten 100 km die "Überbeschützung" aufgaben und wir bis zum Wendepunkt unserer Reise mit eigener Kraft fahren konnten. Am 212. Tag nach Aufbruch in Jena tauchten dann, tief beeindruckend, aus einer Wolke von Wüstenstaub die Hochhäuser Shibams auf - wir waren am Ziel!

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© Mai 1998 by V. Heiland / B. Vetter
All rights reserved! Last update: 23.10.1998 |
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