RADREISE JENA - JEMEN

        Der Hinweg: 7



        Kilometer: 3000 (76. Tag) 01.11.1998 !

        KIRKLARELI (TÜRKEI). Nach Calarasi (Rumänien) kreuzten wir zum letzten Male die Donau, welche mittlerweile zu einem imposanten Strom angewachsen ist. Auf der anderen Seite liegt Silistra, eine bulgarische Stadt, direkt hinter dem Stacheldrahtzaun an der Grenze der beiden Länder. Von hier ab fließt die Donau wieder ausschließlich auf rumänischem Territorium, und wir radelten an ihr noch einige Kilometer in Richtung Schwarzmeerküste entlang. An dem kleinen Grenzübergang Negru Voda verließen wir Rumänien nach 4 Wochen und gut 1000 km. 3 Tage später trafen wir planmäßig bei unseren alten Bekannten in Varna am Schwarzen Meer ein. Hier erwartete uns ein ganzer Berg von Briefen, Postkarten und Nachschubpaketen, wie z.B. ein neuer Schlafsack, Reiseführer, Landkarten und Fahrradschläuche. Die Post brachte uns ebenso jede Menge Neuigkeiten, so wurden Freunde beispielsweise schwanger und exmatrikuliert, wohnen neben Kernkraftwerken, bemängeln fettfreies Futter in Übersee und dokumentierten die letzte Bundestagswahl ausführlich. Auch erfuhren wir von einem drohenden Konflikt zwischen der Türkei und Syrien und daß von einer Reise dorthin abzuraten sei. Nun waren es der Gründe 3, die uns neben den schlechten Klimaaussichten im Januar und dem fehlenden Visum, von der Durchquerung Syriens vorerst Abstand nehmen ließen. In Varna hatten wir im festen Quartier von Hristo und Radka Bogdanow genügend Zeit, über die Routenverlegung nachzudenken. Zuerst einmal besuchten wir den Hafen, um eventuell ein Frachtschiff zu finden, welches nach Jordanien, Israel oder Ägypten fährt. Dieser Tag verging ziemlich schnell und erfolglos! Durch ein Gespräch mit einem Kapitän wurden wir auf offizielle Fährverbindungen aufmerksam. So könnten wir weiter unsere geplante Strecke durch die Türkei fahren und von Antalya nach Zypern übersetzen. Von dort geht es weiter nach Libanon, ebenfalls per Fähre. Somit hätten wir Syrien halbwegs elegant umfahren, ohne zu viele Kilometer unserer geplanten Route zu streichen. In den nächsten Tagen beschäftigten wir uns mit Zypern. Diese Mittelmeerinsel besteht aus 2 Teilen, zumindest politisch betrachtet. Fakt ist jedenfalls, daß die Nordhälfte vor rund 25 Jahren von der Türkei okkupiert wurde und der griechische Südteil das überhaupt nicht witzig findet. Ihre "Humorlosigkeit" geht sogar so weit, daß sie Touristen, welche den türkisch besetzten Teil besucht hatten, die Einreise nach Griechenland und erst recht nach Zypern verweigern. Auch mit einem anderen türkischen Einreisestempel im Paß kann es bei Zyperns Zöllnern Probleme geben. Für uns heißt das, wenn wir von der Türkei aus nach Zypern reisen, kommen wir immer nur auf den türkischen Nordteil und von dort nicht weiter, weil sämtliche Länder, außer der Türkei natürlich, diese Okkupation boykottieren und deswegen keine See - und Lufthäfen angesteuert werden. Somit stellte sich dieser Plan als Sackgasse heraus. Ein erneuter Blick auf die Landkarte, Reiseführer und Konsultationen auf der griechischen und zyprischen Botschaft in Sofia (500 km Zugfahrt) ergaben dann die derzeit aktuelle Reisevariante über die griechische Mittelmeerinsel Rhodos, welche von Marmaris (türkische Südwestküste) aus zu erreichen ist.



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        © Mai 1998 by V. Heiland / B. Vetter
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