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RADREISE JENA - JEMEN |
Der Hinweg: 6 |
Fortsetzung
Am Abend desselben Tages erreichten wir Videle, ein 10 000 Einwohner zählender Ort etwa 50 km von Bukarest entfernt. Hier wollten wir uns ein Quartier suchen, und per Bahn in Rumäniens Hauptstadt fahren und somit das Großstadtverkehrschaos mit dem Fahrrad umgehen. Leider gab es hier, wie in vielen anderen abgelegenen Orten Rumäniens auch, kein Hotel, und wir waren auf eine Privatunterkunft angewiesen. Und dies funktioniert bei den unwahrscheinlich gastfreundlichen Rumänen auch recht zuverlässig, denn man bekommt schnell eine Einladung, bei ihnen im Haus zu übernachten. Eine nette protestantische Pfarresfamilie lud uns schließlich zu sich ein. Um die Sympathie zu steigern, gaben wir an, ebenfalls Protestanten zu sein. Von da an wurde viel über Jesus und die Bibel philosophiert und vor jedem Essen ein Tischgebet gesprochen. Für uns war das alles recht ungewohnt und peinlich wurde es immer dann, wenn wir - sobald das Essen auf dem Tisch stand - die Gottesandacht vergaßen.
In Bukarest starteten wir den 2. Anlauf, ein syrisches Visum zu bekommen. Wie in Budapest hieß es auch hier: keine Aufenthaltsgenehmigung - kein Visum! Auch der von uns gestartete Versuch bei der deutschen Botschaft, sie möchten doch unter Kollegen ein gutes Wort für uns einlegen, fruchtete nicht. Theorietisch bleiben jetzt noch zwei Möglichkeiten, das syrische Visum zu erlangen: Sofia und Instanbul. Aber nach den beiden Fehlschlägen schwindet unsere Hoffnung.
Einmal in Bukarest nutzten wir auch die Gelegenheit, uns Ceaucescus Prachtstraße und seinen gigantischen Regierungspalst anzuschauen. Um hierfür den nötigen Platz zu machen, wurde ein großer Teil der Altstadt plattgemacht. Nach dem Abschied von unserer herzlichen Gastfamilie in Videle, bei der wir 3 Nächte verweilten, folgten mehrere kalte Regentage, die uns häufig daran zweifeln ließen, in der richtigen Jahreszeit unterwegs zu sein. In dieser Zeit schoß uns öfter der Gedanke durch den Kopf, auf die Südhalbkugel ins Warme zu entfliehen, wo zudem die Tage nicht
kürzer wie hier, sondern länger werden. (B.V.)
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© Mai 1998 by V. Heiland / B. Vetter
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