RADREISE JENA - JEMEN

        Der Hinweg: 4



        Kilometer: 2000 (37. Tag) 23.09.1998 !

        SIBIU (Rumänien). Mit der Ankunft in Rumänien freuten wir uns sehr über das vermutlich ärmste Land Europas, um welches die meisten Touristen einen weiten Bogen machen. Es kursieren ja die wildesten Gerüchte, was einem in Rumänien alles zustoßen kann. Auch wir waren wohl unbewußt nicht völlig resistent dagegen und ließen uns auf den letzten 60 ungarischen Kilometern mächtig Zeit. In Gyula, eine Touristenstadt mit nach Rohöl stinkendem Thermalbad kurz vor der Grenze, kauften wir noch mit unseren letzten Forints einige Lebensmittel ein, die wir in Rumänien nicht zu bekommen glaubten. Zugegebenermaßen ist das Einkaufen in den kleinen "Magazin Mixt" Läden auf dem Land wesentlich schwieriger als in Ungarn, doch in den Städten ist nahezu alles zu erweben, was sich ein Westeuropäer so wünscht. Man muß sich nur daran gewöhnen, daß es nicht alle Waren in einem Laden gibt und Nutella zuweilen auch schon mal 25.000 Lei (ca. 5DM) kostet. Doch bevor wir nach Rumänien einreisten, entschloß ich mich, aufgrund kalter Nächte und einem zu dünnen Schlafsack, noch eine zweite Penntüte zu kaufen. In einem Kaufhaus mit einer sehr 'übersichtlichen' Sportabteilung wurden wir fündig - schon von Weitem sahen wir die zwei zur Auswahl stehenden Schlafsäcke liegen. Ein Modell aus 100% Baumwolle und das andere Produkt, namens Pegasus, war aus 100% Nylon hergestellt. Nun, bei diesem Angebot entschied ich mich für den Pegasus als Zweitschlafsack, denn seine technischen Werte mit einem Komfortbereich bis +5 C, 195cm Länge und einem Preis von 9050 Forint (ca. 70DM) übertrumpften seinen Konkurrenten gewaltig. Die Unterschiede zwischen Ungarn und Rumänien waren bereits nach wenigen Kilometern zu spüren, spätestens aber im nächsten Dorf, wo es neben der Hauptstraße keine befestigten Wege mehr gab, Gänse- und Hühnerscharen die Straße querten, die Kühe am Abend selbsttätig am Abend nach Hause liefen und die Menschen hauptsächlich mit dem Pferdekarren unterwegs waren. Unsere Räder wurden zur Zeitmaschine, und wir fühlten uns wie 50 Jahre in die Vergangenheit versetzt. Die ersten 1 bis 2 Wochen in Rumänien ließen uns mit kühlen und regenreichen Tagen den anrückenden Herbst spüren, und ich war sehr froh über die beiden Schlafsäcke. Unsere Stimmung war demzufolge nicht gerade in einer Hochlage, doch wir hielten wacker durch. Die Reiseroute der letzten 500km liest sich wie folgt: Mezöhegyes - Gyula - Ineu - Brad - Abrud - Zlatna - Alba Iulia - Berghin - Sibiu. Die größeren Ortschaften und Städte, welche hier genannt sind, stellten für uns zwar recht sichere Lebensmittelauffülloasen dar, sorgten aber sonst durch maximal marode Industrien, baufällige Wohnhochhäuser, viel Verkehr und schlechte Luft eher für Unbehagen. Wir sahen deswegen regelmäßig zu, schnellstmöglich Land zu gewinnen und verzichteten gerne auf die wenigen historischen Höhepunkte, die man hätte aufsuchen können. (V.H.)



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        © Mai 1998 by V. Heiland / B. Vetter
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