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RADREISE JENA - JEMEN |
Der Hinweg: 2 |
Kilometer: 1000 (16. Tag) 01.09.1998 !
BRATISLAVA (Slowakei). Am 10. Reisetag erreichten wir schließlich
die Deutsch-Österreichische Grenze, sofern man von Grenze sprechen
kann, wenn nur ein beidseitig bemaltes Schild die beiden Länder voneinander
trennt. Es ging immer den perfekt ausgebauten Donauradweg entlang, den
wir als Rentnerradweg betitelten, weil aufgrund des unerschwerten Fortbewegens
hauptsächlich Menschen über 60 unterwegs sind. Ab Passau
ostwärts hat sich die mächtige Donau tief in die Landschaft eingeschnitten,
und macht diese dadurch besonders reizvoll. Nach einem Besuch in der schönen
Stadt Linz und des Konzentrationslagers Mauthausen, in dem zur Nazizeit
rund 120.000 Menschen ums Leben kamen, ging es weiter durch die Wachau.
Die Wachau ist ein bedeutendes Weinanbaugebiet in Oberösterreich mit
verträumt in der Landschaft liegenden kleinen Dörfern. Neben
Weintrauben waren zu unserer großen Freude auch noch Pflaumen, Birnen
und Äpfel reif, die unserem gesteigerten Vitaminbedarf sehr entgegenkamen.
Nur ein Bauer sah das anders, als er uns erbost im tiefsten österreichischen
Dialekt fragte, ob wir zu Hause auch die Pflaumen vom Baum klauen.
Um das wertvolle Gut vor den vitaminhungrigen Radler zu schützen,
haben viele Bauern ihre Obstbäume mit dichtmaschigen Zäunen
umsäumt. Am Abend des 30. August kamen wir schließlich in Wien
an. Dort hatten wir das Glück, bei Felix, einem alten Bekannten von
Lydia, wohnen zu können. Zu unserer großen Freude war Felix sehr
mitdenkend und bot uns gleich den Dienst seiner Waschmaschine und Dusche an,
was wir gerne annahmen. Nach der Besichtigung sämtlicher Hundertwasserhäuser
und einem schmerzlichen Abschied von Lydia, verließen wir am Abend
des 14. Tages Wien. Zwischen Wien und Bratislava verläuft der Radweg
durch das "Naturschutzgebiet Donauauen" und zu bereits fortgeschrittener
Stunde blieb uns nichts anderes übrig, als das 'Naturgesetz' zu brechen
und unser Nachtlager im geschützten Gebiet aufzuschlagen - idyllisch,
aber verboten! Und glatt war es der Parkwächter persönlich, welcher
uns am nächsten Tag als Erster einen guten Morgen wünschte. Glücklicherweise
konnten wir durch ein freundliches, ökologisch fundiertes Gespräch
die drohende Strafe abwenden. Mit Hainburg hatten wir den letzten österreichischen
Ort erreicht, radelten etwa 25km durch den südwestlich Zipfel der
Slowakei, um dann im Nordwesten Ungarns anzukommen. Auf diesem kurzen Stück
durch die Slowakei paßierten wir sogar deren Hauptstadt Bratislava.
Dort war die Hölle los! Alle Einwohner der Stadt scheinen in ihrer
Freizeit mit Rad oder Inline-Skates den Donauradweg auf- und abzufahren.
Dieser Massenandrang fand dann aber schon kurz vor der ungarischen
Grenze ein Ende und Radfahrer wurden zur Seltenheit. (B.V.)
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© Mai 1998 by V. Heiland / B. Vetter
All rights reserved! Last update: 23.10.1998 |
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